Foto: Deutsche Schachjugend, , 12/2025

Anreise und Unterkunft

Am zweiten Weihnachtsfeiertag reisten insgesamt 20 Mannschaften aus ganz Deutschland nach Verden/Aller, um vom 27. – 30. Dezember die Besten der U12-Jugend zu ermitteln. Der SK Freiburg-Zähringen hatte vermutlich die längste Anreise, während unsere Mannschaft mit nur einer Autostunde die kürzeste Strecke zurücklegte – selbst der ausrichtende Verein SC Aurich hatte einen weiteren Weg. Die Unterbringung erfolgte für alle Teams in der Jugendherberge Verden, wo auch das Turnier stattfand. Unsere Jungs, Rasmus und William, teilten sich ein Sechsbettzimmer mit Spielern des Hamburger SK, mit denen sie sich auf Anhieb gut verstanden. Unsere Mädchen, Nayla und Shirley, hatten ein Zweibettzimmer für sich allein, während ich das Zimmer mit dem Trainer und Betreuer des HSK teilte, der sich ebenfalls als angenehmer Mitbewohner erwies.
Nach dem Abendessen und dem Beziehen der Betten wurden die ersten Aufwärmpartien und Analysen am Schachbrett gespielt. Um 20 Uhr fand die Betreuerversammlung statt, bei der nach allgemeinen Hinweisen des Ausrichters auch der Hauptschiedsrichter der Deutschen Schachjugend, Patrick Schranz, eine Regelkunde gab – souverän und kompetent. Schon zu Beginn entstand der Eindruck, dass die Meisterschaft hervorragend organisiert war. Um 21 Uhr wurde die erste Runde ausgelost. Unser Team bereitete sich auf das Match gegen den traditionsreichen TV Tegernsee, Nummer 4 der Startrangliste, vor.

Turnierverlauf

1. Runde gegen TV Tegernsee

Am 27. Dezember fiel um 8:30 Uhr der Startschuss. Arne kam mit seinem Sohn Gerson zu Besuch. Beide fieberten die erste Runde mit, welche es gleich in sich hatte. Bei Rasmus und Shirley kam zu meiner Freude die Vorbereitung aufs Brett. Nach drei Stunden war noch keine Partie entschieden – unsere vier Spieler waren die letzten, die noch spielten, während alle anderen Partien im Raum bereits beendet waren. Leider kam es, wie befürchtet: Rasmus übersah eine Remisabwicklung, Nayla spielte ihr vielversprechendes Endspiel zu passiv und Shirley platzierte ihren Läufer leider auf h6 statt auf f6. So stand es 0:3, einzig William kämpfte weiter und konnte schließlich einen Ehrenpunkt sichern. Seine hervorragende Partie lohnt es sich nachzuspielen.

2. Runde gegen SC Aurich

In der zweiten Runde trafen wir am Nachmittag als Favorit auf den Ausrichter SC Aurich. In Magdeburg bei der Norddeutschen Meisterschaft hatten wir uns noch mit einem 2:2 zufriedengeben müssen. Diesmal gab es die gleichen Paarungen wie zuvor, jedoch mit vertauschten Farben. Das Ergebnis: ein verdienter 3:1-Sieg und ein gelungener Start ins Turnier!

3. Runde gegen Düsseldorfer SK

Am zweiten Turniertag ging es morgens gegen den Düsseldorfer SK, ein weiteres starkes Team, das mit Julius Botvinnik am ersten Brett antrat. Ob er mit der russischen Schachlegende und Ex-Weltmeister Michail Botwinnik verwandt ist, blieb unklar.
Rasmus geriet mit Schwarz im Nimzoinder in Nachteil; die Düsseldorfer Nummer 1 spielte überzeugend zum Sieg. Auch William und Shirley mussten sich geschlagen geben, doch Nayla konnte nach 91 Zügen mit starker kämpferischen Leistung den Ehrenpunkt sichern.

4. Runde gegen SGem Vaihingen / Roh

In Runde 4 trafen wir auf die SGem Vaihingen / Rohr aus der Nähe von Stuttgart, die im Durchschnitt nur 40 DWZ-Punkte besser waren. Am Ende verloren wir knapp, aber verdient mit 1,5:2,5. Rasmus kämpfte sich nach Rückstand mit einem Königsangriff zurück, verpasste jedoch die richtige Fortsetzung zum Dauerschach. William gelang es, ein scheinbar ausgeglichenes Turmendspiel doch noch zu gewinnen. Nayla rettete in gewohnter kämpferischer Manier ein Remis, während Shirleys Gegner von Beginn an keine Zweifel an seinem Sieg ließ. Mit 2:6 Mannschaftspunkten lagen wir damit im unteren Tabellenfeld.

5. Runde gegen SK Ettlingen

Am dritten Turniertag spielten wir gegen den SK Ettlingen, der im Durchschnitt exakt dieselbe DWZ aufwies wie unser Team. Daher wurde der Startranglistenplatz vorab ausgelost – mit Losglück für uns, wir starteten das Turnier auf Platz 14. Nach rund 20 Zügen war die Summe aller Bewertungen laut Lichess-Engine bis auf die Nachkommastelle ausgeglichen, und so endete der Mannschaftskampf letzlich nicht unerwartet 2:2. Dennoch war mehr möglich gewesen: Rasmus gewann endlich eine Partie überzeugend, William spielte eine starke Angriffspartie Remis, verpasste aber zwischenzeitlich ein 2-zügiges Matt. Nayla verspielte die 2 Mehrbauern im Endspiel zu einem Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern, welches nicht mehr zu gewinnen war. Shirley verlor ihre Partie nach zunächst gut gespielter Eröffnung letztlich doch klar gegen eine starke Gegnerin.

6. Runde gegen SK Münster

In der sechsten Runde ging es gegen den nominell schwächeren SK Münster. Die DWZ-Prognosen erfüllten sich: Wir führten schnell mit 3:0, wobei William mit einer sehenswerten Mattkombination glänzte. Lediglich Rasmus fand in besserer Stellung nicht die aktive Fortsetzung und verlor seine Partie. Mit nun 5:7 Mannschaftspunkten war das Team wieder im grünen Bereich.

7. Runde gegen Weiße Dame Berlin

In der letzten Runde traten wir gegen Weiße Dame Berlin an, die in Magdeburg noch hinter uns lagen und nur durch einen Freiplatz an der Endrunde teilnehmen durften. Am Ende mussten wir eine bittere 0:4-Niederlage hinnehmen. Die Luft war raus, und zudem war das gegnerische Team nominell stärker aufgestellt als bei der Norddeutschen Meisterschaft.

Foto: Thorsten Döscher, 12/2025

Fazit

Unsere U12-Mannschaft belegte mit 5:9 Mannschaftspunkten den 17. Platz. Auch wenn dies etwas enttäuschend ist, haben wir uns in allen Begegnungen gegen meist sehr starke Gegner wacker geschlagen und viel dazugelernt. Besonders hervorzuheben ist Williams Leistung, der einen deutlichen DWZ-Gewinn erzielen konnte.